Hallo, Ihr werdenden Mütter da draußen!!!
Ein Erfahrungsbericht

Ich bin Judith und seit 3 Wochen Mama von Felix. Ungefähr im vierten Monat machte ich mir Gedanken, wie und wo ich entbinden möchte. Keine einfache Entscheidung! Anfangs kam nur ein Krankenhaus mit Neonatologie in Frage. Wir wollten keinerlei Risiko eingehen und suchten die maximale Sicherheit für unser Baby. In Dresden gibt es allerdings "nur" zwei Kliniken mit Neonatologie, aber in die Uniklinik wollte ich auf gar keinen Fall. Irgendwann laß ich in einer von tausenden Zeitschriften einen Artikel über Beleghebammen. Was mich daran besonders ansprach, war das man seine Hebamme vor der Geburt kennenlernt und während der Geburt nur von dieser betreut wird (keine nervigen Schichtwechsel mit drei verschiedenen Hebammen). Das Diakonissenkrankenhaus ist die einzige Klinik in Dresden, die ein Beleghebammensystem anbietet. Im fünften Monat meldete ich mich dann für den Geburtsvorbereitungskurs bei Marie-Luise an. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir jedoch noch nicht sicher, ob ich auch wirklich im Diakonissenkrankenhaus entbinden möchte. Mit der Zeit wurde ich immer runder und schließlich war ich im Mutterschutz. Der Geburtsvorbereitungskurs begann in der 34 Schwangerschaftswoche, dort lernte ich Marie-Luise und die anderen Schwangeren kennen. Neben Atemübungen und Schwangerschaftsgymnastik, konnten wir viele Fragen stellen und erfuhren alles was man zur Geburt wissen muß. Da im Diakonissenkrankenhaus jederzeit ein Kinderarzt vor Ort ist und meine Schwangerschaft komplikationslos verlief, entschieden wir uns, zusammen mit Marie-Luise unser Kind dort zu entbinden.

Felix ließ sich ziemlich viel Zeit, letztlich kam er 14 Tage nach dem Termin! Als ich den Termin "überschritten" hatte, war ich alle zwei Tage bei Marie-Luise zum CTG schreiben. In dieser Zeit waren meine Nerven echt am Ende. Ich hatte wirklich keine Lust mehr und wollte endlich mein Kind in den Armen halten. Neben den CTG Untersuchungen bei Marie-Luise mußte ich auch regelmäßig ins Diakonissenkrankenhaus zur Ultraschalluntersuchung. Ich hatte jederzeit das Gefühl, das ich maximal betreut wurde. Sowohl von meiner Hebamme als auch von den Ärzten im Krankenhaus. Letztlich entschieden die Ärzte, die Geburt am 24.03. einzuleiten, doch Felix machte sich genau 6h zuvor allein auf den Weg. Nachts um 1 Uhr merkte ich ein Ziehen im Unterbauch. Ein Ziehen, welches regelmäßig kam und ging. Ich nahm ein Bad und die Wehen gingen nicht weg, außerdem blutete ich...gute Zeichen, es ging also los. Ich rief Marie-Luise an und wir verabredeten uns für 3 Uhr im Krankenhaus. Auf dem CTG konnte man deutlich Wehen sehen und ich konnte sie auch schon ziemlich deutlich alle 5min. spüren. Bis 6 Uhr morgens konnte ich die Wehen noch ganz gut ertragen, trotzdem schrie ich ganz schön. Mir hat das Schreien ziemlich geholfen und es war mir zu dem Zeitpunkt auch wirklich egal ob man mich auf dem Elberadweg hören könnte oder nicht. So eine Wehe kommt und geht. Ist sie weg, fühlt man keinerlei Schmerz, dann kommt eine neue Wehe angerollt und es zieht wieder. Marie-Luise war die ganze Zeit bei mir. Sie half mir richtig zu Atmen, sagte mir, wie ich mich hinlegen oder bewegen sollte. Ich vertraute ihr blind. Irgendwann gegen 8 Uhr schrie ich nach einer PDA. Bis dahin dachte ich, ich bin ein Pferd und hart im nehmen, Pustekuchen! Bis dahin wußte ich nicht was Schmerzen sind. Vielleicht bin ich auch kein Pferd!

Es war zum Glück noch Zeit für eine PDA. Den Stich habe ich wirklich nicht gespürt und nach ca. 5-10 min. waren die Wehen nicht mehr schmerzhaft. Ich spürte jede Wehe und es tat auch noch ein bißchen weh, aber mit PDA sind Wehen echt erträglich. Das die Zeit verging merkte ich erst so gegen 10 Uhr. Ich glaube um diese Uhrzeit fragte ich das erste mal, "wie lange noch". Der Muttermund war dann schon so bei 8cm. Es ging mir gut und ich war froh mit meiner PDA im Rücken, war stolz, dass ich nicht die Starke gespielt habe.... Ich glaube so um 11 war der Muttermund 10cm und es kündigten sich Wehen an, die eine andere Schmerzqualität hatten. Es drückte tierisch auf den Beckenboden. Was ist mit der PDA, dachte ich...mein kleiner Felix rutschte so langsam eine Etage tiefer...Presswehen, aber Felix war noch nicht richtig tief genug. Jetzt wurde es wirklich Sport. Auch mit PDA tut eine Geburt weh, spätestens bei den Presswehen! Marie-Luise nahm mich an die Hand wie eine Mutter, viele Wehen mußte ich verhecheln obwohl ich am liebsten mitgepresst hätte, ich zitterte am ganzen Körper, war total entkräftet. Meine Pressversuche reichten leider nicht aus...irgendwann dachte ich, hätte ich doch gleich einen Kaiserschnitt machen lassen, ich konnte nicht mehr. Langsam füllte sich der Kreissaal mit Ärzten. Ich wußte schon was jetzt kam, aber es war mir recht. Nichts wie raus mit dem Kind, egal wie. Marie-Luise war bei mir, sie bereitete alles vor. Mit Felix war alles in Ordnung. Der Arzt erklärte mir, dass er es für besser fände mit der Zange nachzuhelfen, da ich total erschöpft sei und meine Kraft nicht ausreichen würde um Felix rauszupressen. Zange! Eigentlich ein Schrecken, für mich war es die Erlösung. Ich war echt froh, denn ich wußte es ist bald geschafft. Die Zange merkte ich nur als kleinen Druck, dann warteten wir auf die nächste Presswehe, ich preßte wie ein Stier, von dem Schnitt und der Zange merkte ich nichts. Ehrenwort! Und dann flutsche etwas aus meinem Bauch. Felix, etwas verknautscht und faltig lag er auf meinem Bauch. Neun Monate hatte ich auf ihn gewartet und jetzt war er einfach da. In diesem Moment bleibt die Zeit stehen. Danach wird Alles anders!

Ich blieb noch drei Tage in der Klinik, obwohl ich eigentlich ambulant entbinden wollte. Aber es läßt sich im Diako aushalten, zumal man wirklich von einem sehr freundlichem Personal betreut wird.  Ich war froh, dass die Kinderkrankenschwestern Felix nachts im Kinderzimmer hatten und nur zum stillen brachten, obwohl ich eigentlich 24h rooming in wollte. Marie-Luise besuchte mich dann zu Hause, schaute nach Felix und mir. So eine Geburt ist ein einschneidendes Erlebnis, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach 14 Tagen ist, dank Marie-Luises guter Hausmittelchen alles wieder so wie es sein muß. Manchmal bin ich noch überfordert, frage mich ob ich alles richtig mache. Marie-Luise gibt rat und tröstet in den schlimmen Stunden. Es war kein Spaziergang und das Mutterglück stellt sich nicht gleich nach der letzten Presswehe ein, aber ein Kind ist eben auch durch nichts zu ersetzen.