Erfahrungsbericht –
Geburt von Hannah Luise am 02.02. in Dresden

Als ich, im 3. Monat schwanger, im Juli nach Dresden zog stellte sich für meinen Mann und mich die Frage, wie und wo wir unser Kind bekommen, noch gar nicht. In der Schwangerenberatung erfuhren wir, dass es im Gegensatz zu unserer Heimatstadt Leipzig in Dresden die Möglichkeit gibt, in Geburtshäusern oder mit einer Beleghebamme im Diakonissenkrankenhaus zu entbinden. Wichtig für uns war sowohl die Sicherheit einer Klinik, als auch die individuelle Betreuung durch „unsere“ Hebamme. Wir entschieden uns für die Beleggeburt. Durch die Hebammenliste erfuhren wir von der Beleghebamme Marie–Luise Lang. Nach einem kurzen Kennenlerngespräch meldete ich mich für den Geburtsvorbereitungskurs bei Ihr an. Während dieser Stunden in der Geburtsvorbereitung lernten wir uns immer besser kennen und es entwickelte sich schnell ein für mich wichtiges Vertrauensverhältnis. Bei dem Geburtsgespräch Ende Januar  klärten wir alle Einzelheiten und bereiteten die für die Klinik notwendigen Papiere vor. Marie-Luise wies uns noch einmal eindrücklich darauf hin, dass wir keinerlei Hemmungen haben sollten, zu jeder Tages- und Nachtzeit anzurufen, wenn sich die Geburt ankündigen sollte.

Am 1. Februar erledigte ich vormittags einen immer wieder aufgeschobenen Friseurbesuch, und siehe da: als hätte unser Kind darauf gewartet, setzten am Nachmittag die ersten Wehen ein. Diese nahmen wir noch nicht allzu ernst, aber gegen 20 Uhr abends wurden sie regelmäßiger. Uns wurde klar, dass es eine lange Nacht werden würde, so legten wir uns ins Bett, um noch ein wenig Kraft für die bevorstehende Anstrengung zu sammeln. Gegen halb eins hielt ich es im Bett liegend nicht mehr aus und zog in die Badewanne um. Dort verweilte ich bis halb vier und versuchte die Wehen und meine Atmung in Einklang zu bringen.

Um 3.30 Uhr riefen wir Marie-Luise an. Wir verabredeten uns in der Praxis, wo sie mich untersuchte und ein CTG schrieb. Mein Muttermund war schon auf 2cm eröffnet aber die Wehen waren noch zu unregelmäßig. Wir entschieden noch einmal nach Hause zu gehen. Zu Hause legte sich Andreas auf das Sofa, während ich auf dem Pezziball meine Wehen veratmete.

Um 6.30 Uhr hielt ich es nicht mehr aus und wir riefen Marie-Luise erneut an. Diesmal wollten wir uns gleich in der Klinik treffen. Kurz vor 7.00 Uhr trafen wir im Diakonissenkrankenhaus ein, wo Marie-Luise schon in einem kleinen gemütlichen Kreißzimmer (Saal währe übertrieben) auf uns wartete. Wir schrieben das nächste CTG, sie untersuchte mich, aber viel hatte sich noch nicht verändert. Um die Wehen anzuregen, ging ich mit Andreas auf dem Flur spazieren und traf dort zu meiner Freude eine Bekannte aus dem Geburtsvorbereitungskurs, die zwei Tage vorher entbunden hatte. Mit der Zeit wurden die Wehen kräftiger, waren aber, so Marie-Luise, noch nicht wirklich effektiv. Im Laufe des Vormittags griffen wir noch zu verschiedenen anderen Mitteln wie Einlauf (kann ich trotz meiner anfänglichen Skepsis in diesem Zusamenhang nur weiterempfehlen), Bauchmassagen mit einem wehenanregendem Öl, Akupunktur und schließlich einem warmen Wannenbad. Dort überholte mich das Geschehen, die Stärke der Wehen überwältigte mich und ich brauchte eine Weile, um wieder in meinen Takt hinein zu kommen. Andreas und Marie-Luise halfen mir sehr, indem sie mit mir atmeten und mich immer wieder zu Ruhe und Entspannung aufforderten. Ich verließ die Wanne bald wieder und wir zogen zurück ins Kreißzimmer. Dort ging es dann Schlag auf Schlag. Ich positionierte mich im Vierfüßlerstand, da dies die einzig erträgliche Haltung für mich war. Das CTG sah weiterhin gut aus, meine beiden Begleiter atmeten mit mir, aber das bekam ich alles nicht mehr so richtig mit. Ich war nur noch mit mir und meinen Wehen beschäftigt, die mir zusehends unerträglicher erschienen. Als Marie-Luise irgendwann das Kommando zum Mitschieben gab, war ich dennoch überrascht, daß es schon soweit sei. Ich hielt mich an Andreas Hände geklammert (er klagte am nächsten Tag über Muskelkater) und er atmete kräftig mit. Als ich meinte, gleich aufgeben zu müssen, sagte mir Marie-Luise (als wirksame „Durchhalteparole“), dass ich doch mal mit den Händen nach dem Köpfchen tasten sollte... ein wahrhaft tolles Gefühl!!!

Ein paar Presswehen später, um 13.21 Uhr, war unsere kleine Hannah dann da. Andreas durchtrennte die Nabelschnur, ein sehr erhebendes Gefühl für den frisch gebackenen Vater, und ich bekam meine Tochter auf den Bauch gelegt. Es ist doch ein komisches Gefühl zu wissen, dass dieser kurze Weg aus dem Bauch auf den Bauch so überwältigend und kräftezehrend ist. Drei Stunden später verließen wir als kleine Familie die Klinik und fuhren nach Hause.
Im Nachhinein muß ich sagen, dass es eine sehr schöne Geburt war, nicht zuletzt, weil sie so komplikationsfrei verlaufen ist. Der Luxus, mit „unserer eigenen“ Hebamme zu entbinden und dennoch die Sicherheit des Krankenhauses im Rücken zu wissen, war für uns die beste Entscheidung. Marie-Luise war durch ihre beruhigende und dezente, aber dennoch freundlich-bestimmte Art eine sehr gute Geburtsbegleiterin. Sie war stets zur richtigen Zeit am rechten Ort. Auf diesem Wege möchten wir uns herzlich bei ihr für die schöne Geburt, für die Geduld bei nachmitternächtlichen Anrufen und die sorgsame Wochenbettbetreuung bedanken.