Erfahrungsbericht –
Wie Justus Arne auf die Welt kam

Am 2. Juli bestätigte sich, was der Test mit dem „plus“ als Ergebnis schon vermuten lies: ich war schwanger! Mit dem noch nagelneuen Mutterpaß in den Händen und ziemlich vielen ungeordneten Gedanken im Kopf stand ich wieder auf der Straße und das war nun der Anfang eines neuen Lebensabschnitts.

Nachdem die Neuigkeit dann im Laufe der ersten 3 Monate aufgehört hatte eine zu sein, kamen mir mit dem allmählichen Beginn der Bauchrundung die ersten ernsthaften Gedanken an die Geburt. Was gab es da nicht alles für Möglichkeiten zu bedenken! Über das „Wann“ brauchte ich mir ja keine Gedanken zu machen- der Geburtstermin wurde für den 25.02.2003 berechnet. Blieben aber die Fragen nach dem „Wo“ und „mit Wem“. Eine Hausgeburt kam für mich von Anfang an nicht in Frage. Nach ausführlichen Umfragen im Bekannten und Freundeskreis beschloß ich, mir den Kreißsaal des Diakonissenkrankenhauses anzusehen. Gemeinsam mit dem werdenden Vater nahm ich am Info-Abend ebendort teil und wir waren uns anschließend einig, dass unser Kind hier zu Welt kommen sollte. Neben den technischen und menschlichen Gegebenheiten im Diako spielte bei unserer Entscheidung auch die geringe Entfernung Krankenhaus- Wohnung eine wichtige Rolle.

Als das „Wo“ feststand, war ich erst mal schon etwas ruhiger. Bei meinen Umfragen zu Geburtserlebnissen war aber auch immer wieder die Empfehlung aufgetaucht, eine Beleghebamme ins Krankenhaus mitzunehmen. Ich stolperte über die Telefonnummer meiner späteren Beleghebamme Marie-Luise Lang und entschied mich nach dem Kennenlernen für sie.  Beim Vorbereitungskurs lernten wir uns besser kennen und die Gewissheit wuchst, dass ich mit Ihr mein Kind zur Welt bringen wollte.

In den letzten Schwangerschaftswochen hatte ich dadurch das sichere Gefühl, dass alles „klar geht“, obwohl es ja meine erste Geburt war und ich mir keine wirkliche Vorstellung  von dem ganzen Abenteuer machen konnte. Aber immer wenn ich an das Thema Geburt dachte oder darauf angesprochen wurde, hatte ich meine konkreten Vorstellungen über das Wo und mit Wem und konnte mich daran festhalten.

Zu guter Letzt hatte ich auch wirklich das Glück, eine recht schnelle und sehr unkomplizierte Geburt zu erleben. Alle Unklarheiten die ich im Vorfeld hatte, wurden per Telefonat mit meiner  Hebamme geklärt und als es dann wirklich losging, war ich ganz ruhig und sicher.

Am 20.02. gegen halb 5 früh musste Marie-Luise dann aufstehen,  weil ich auch nach heißem Baden aller 3 Minuten kräftige Wehen hatte. Als wir uns im Diako trafen, musste sie dann gleichzeitig einen Kreißsaal organisieren (alle 3 waren eigentlich belegt!) und mich untersuchen und betreuen. Obwohl mein Muttermund zu dem Zeitpunkt schon vollständig eröffnet war, konnten wir doch noch rechtzeitig in den kleinen netten Kreißsaal umziehen und um 8:17 Uhr konnte ich dann mit dem Tageslicht den kleinen Justus Arne in meine Arme schließen. Während der  Geburt fühlte ich mich sehr gut aufgehoben unter Marie-Luises Ratschlägen und Anweisungen, außerdem schaffte sie es, den werdenden Vater in das Ereignis einzubinden. Er war hinterher sehr froh, dass er die Geburt seines Sohnes so aktiv miterleben konnte und nicht nur als Zuschauer daneben sitzen musste.

Im nachhinein ist mir auch ein weiterer Vorteil des Beleghebammensystems aufgefallen: ich hatte auf diese Art meine Hebamme ganz für mich allein, während bei einer solchen Geburtenhäufung die Krankenhaushebammen für mehrere Geburten gleichzeitig zuständig sind! Das heißt, die Hebamme ist gar nicht die ganze Zeit dabei sondern wechselt zwischen den Kreißsälen hin und her. Das habe ich zum Glück nicht erleben müssen und stelle es mir auch nicht schön vor („hier mal bitte noch nicht pressen, komme gleich wieder...“).

Justus und ich sind dann 3 Tage in der Klinik geblieben, wir konnten auch die ganze Zeit bei einander bleiben und hätten trotzdem jederzeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen können. Nach dem Umzug nach Hause hat dann Marie- Luise noch regelmäßig nachgesehen, wie wir zurechtkommen und wie es uns geht. Diese Besuche habe ich auch des Plausches wegen gemocht, den wir dann immer gehalten haben, alldieweil es auch selten ernsthafte Probleme zu besprechen gab. Es tat sehr gut, Besuch zu haben, aber gleichzeitig nicht die ganzen (berechtigen) neugierigen Fragen beantworten zu müssen und die strahlende Neu-Mama abzugeben. Schließlich brauchte ich IHR ja nichts zu erzählen...

Abschließend kann ich mich also nur dem anschließen, was auch mir viele Frauen (und Männer!) geraten haben: das Wo  der Entbindung sollte man schon abwägen aber das Mit Wem ist eigentlich noch wichtiger!