Geburtsbericht Lara Leoni

Sonntag, 1:00 Uhr nachts begann das Ziehen im Bauch. Ich wurde munter, weil ich mal auf`s Klo musste. Nanu, hatte ich was schlechtes gegessen? Naja wird schon wieder vorbei gehen.
Doch ich konnte im Bett nicht mehr einschlafen. Das Ziehen kam in rhythmischen Abständen von ca. 20 min wieder.
Oh je, das müssen die Wehen sein – jetzt geht`s los – fünf Tage zu früh!
Dabei sollte mein Kind später kommen als sein theoretischer Termin vom 23.5. Ich wollte ein richtiges Sommerkind, da ich auch eins bin.
Mein Kopf wollte es so, doch mein Unterbewußtsein meldete sich bereits die letzten drei bis vier Tage und meinte: „ Alles bereit, alles da, eigentlich kann`s los gehen.“

An Schlafen war nicht mehr zu denken. Gegen 8:00 Uhr - Ich hatte das Bedürfnis zu duschen und Haare zu waschen. Gedacht  - getan, lange und wohliglich warm. Dann machte ich Frühstück. Der Wehenabstand betrug nun schon 5 min, aber gut auszuhalten. Sollte man die Hebamme anrufen?
Ich errinnerte mich nicht an alles was ich im Kurs gelernt hatte und schaute im Ratgeber für Schwangerschaft nach. Dort stand 3 min. Also warten.

Gegen 9:30 Uhr – jetzt rufe ich die Hebamme an!  Es meldete sich meine Beleghebamme Marie-Luise. Wir verabredeten uns für 11:00 Uhr im Diakonissenkrankenhaus. Die Tasche war gepackt, der Tee gekocht, die Schnitten geschmiert.
Im Diako wartete Marie auf uns. „Ach ihr seht ja noch gut aus! Na wir schreiben mal ein CTG und sehen uns den Muttermund an.“
Das CTG zeigte regelmäßige Wehenberge in gleichmäßigen Abständen. Mir ging es immer noch gut, konnte scherzen und darüber lachen. Der Muttermund war gerade mal 1 cm offen.
Marie besprach den Befund mit uns und wir entschieden uns noch einmal nach Hause zu fahren Sie sagte: „Mal sehen, wie sich die Wehen verhalten. Es ist möglich dass es noch etwas dauert! Leg dich hin, du wirst die Kraft noch brauchen. Ruft einfach an wenn die Wehen stärker werden“

Bereits bei der Nachhausefahrt merkte ich ein Stärkerwerden der Wehen. Sicher hatte es damit zu tun, dass Marie den Muttermund stimuliert hatte. „Oh, Oh!“
Zu Hause angekommen, kochte ich Mittagessen, musste jedoch immer wieder inne halten, mich festhalten und die Wehen beatmen. Marie rief 14:00 Uhr an, wie es ausschaut? – Geht noch. Ich will ja kein Zimperling sein! – Ich sollte mich ausruhen, im Bett. Ha, ha – an Ruhe war nicht zu denken!
Gegen 15:00 Uhr hielt mich nicht`s mehr im Bett. Ich musste Aufstehen, gehen, mit dem Becken kreisen und bei jeder Wehe auf den Tisch mit dem Oberkörper aufstützen und atmen. Tilo hielt sich zurück: „Ich bin bereit, du gibst Signal!“

So rief ich kurz nach 15:3ß Uhr Marie an. „Du ich halt`s nicht mehr aus.“ „Gut dann treffen wir uns 16:00 Uhr im Diako.“
Im Diako empfängt uns 10 min vor Vier eine Hebamme. Sie schließt mich schon mal ans CTG. Alle Achtung! Der Wehenschreiber kommt gar nicht mehr hinterher. Es sieht für mich nach einem aufgezeichneten Erdbeben Stärke 10 aus. Ich muss Stehen und Becken kreisen.
Marie kommt: “Oh, das sieht doch schon gut aus, schau`n wir mal nach dem Muttermund.“
Sieben Zentimeter. Die Fruchtblase drückt schon durch.
Tilo massiert mir den Steiß. Das tut gut. Marie macht den Papierkram und läßt mir meinen Rhytmus. Ich atme, kreise mein Becken.
Nach etwa 20 oder 30 min nach dem Klinikeintreffen wechseln wir in den Kreisssaal. Immer wieder dieser Schmerz, kaum Ruhe zur Erholung. Marie will die Fruchtblase öffnen, das Köpfchen soll direkt auf den Muttermund drücken.
Also rauf auf`s Bett – wie unangenehm und beschwerlich. Das Fruchtwasser rauscht warm und in einem Schwall heraus.
Ich muss wieder stehen.

Marie wuselt um meine Beine, total emsig, Mut zusprechend, motivierend, ruhige Stimme, konkrete Anweisungen, immer den Geburtsstand sagend.
Mir wird`s peinlich, es drückt wie verrückt, so doll auf den Darm – wie so denn dort? Marie beruhigt: „Das ist normal, jetzt mitdrücken!“ Rasant nimmt der Schmerz zu. „Oh Gott ich bin überwältigt. Es geht nicht.  Es tut so verdammt weh!!!
Ich gebe alles, hole tief Luft in den Bauch (das Kind braucht den Sauerstoff!), schiebe die Luft in den Bauch immer tiefer, drücke, strenge mich an. Es muss durch. Augen zu, Hände zu Fäusten. Alles egal. “Komm!!!!“ Ich denke es, ich presse es heraus. Mein Mund formt das Wort.

Ich habe das Gefühl, der Kopf ist durch. Es spannt total. Marie sieht den Kopf. Pressen, Stöhnen, Beine zittern, die Knie werden weich. Marie motiviert: „gleich geschafft.“
Mit jedem Pressen ein Millimeter durch den Engpass. Es tut sich was – endlich! Der Kopf ist durch – jaaaa – noch mal pressen für die Schultern. „Los das schaffe ich auch noch!
Mit einem kräftigen Pressen - flutscht sie hindurch. Ich merke sekundenlang ein unbeschreibliches Gefühl wie das kleine Wesen hindurchgleitet.

Da ist sie Lara Leoni, für mich so groß und hellblau, hängt noch an mir – pures Glück! Die Welt bleibt stehen.

Danke Marie-Luise, danke Tilo!

Willkommen Lara Leoni (17:00 Uhr geboren, 3180 g, 50 cm)

 

PS.: 20:00 Uhr waren wir zu dritt überglücklich wieder zu Hause.